Epigenetische Mechanismen bei Suchterkrankungen – hat das eine Bedeutung für die Praxis?

Dienstag, 19.09.2017 | 14:00 Uhr - 14:45 Uhr

 

Prof. Dr. Thomas Hillemacher

Stellvertretender Ärztlicher Direktor
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie

AbstractDownload Präsentation

Curriculum Vitae

Abstract

Suchterkrankungen sind multifaktoriell verursachte Störungsbilder, bei denen neben psychologischen und sozialen Einflüssen auch wesentliche neurobiologische Mechanismen ursächlich sind. Die neurobiologischen Mechanismen der Alkoholabhängigkeit spielen dabei für das Verständnis der Erkrankung eine wesentliche Rolle. Im zentralen Nervensystem sind bei der Entstehung und Aufrechterhaltung abhängiger Verhaltensweisen verschiedene zentrale Neurotransmittersysteme involviert – vor allem aber dopaminerge Regelkreise und das endogene Opioidsystem. Die Regulation dieser Regelkreise unterliegt unter anderem auch epigenetischen Mechanismen wie z.B.  Veränderungen im Methylierungsmuster spezifischer Gene. Aktuelle Studien zeigen die Bedeutung epigenetischer Mechanismen sowohl bei stoffgebundenen wie auch bei stoffungebundenen Abhängigkeitserkrankungen. So konnte beispielsweise für verschiedene Suchterkrankungen (Tabakabhängigkeit, Alkoholabhängigkeit, pathologischen Spielen) gezeigt werden, dass sich die Methylierungsmuster in der Promoterregion des D2-Rezeptor-Gens signifikant von gesunden Kontrollen unterscheiden. Diese und andere Ergebnisse deuten darauf hin, dass epigenetische Mechanismen eine Rolle in der Entstehung und in der Aufrechterhaltung süchtiger Verhaltensweisen zukommt. Diese Forschungsergebnisse könnten helfen, sowohl für die Prävention wie auch für die Therapie spezifische Biomarker zu entwickeln und so eine individualisierte Behandlung von Suchterkrankungen möglich zu machen.