Langzeittrends beim Drogenkonsum: Lokal, national, international – alles das Gleiche?

Montag, 18.09.2017 | 10:45 Uhr - 11:30 Uhr

 

Dipl.-Psych. Roland R. Simon

Ehem. Head of Unit „Consequences, Responses, and Best Practice”
European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)
Lissabon, Portugal

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Curriculum Vitae

Abstract

Gerade im Bereich illegaler Drogen verändert sich die Lage ständig. Vorlieben für bestimmte Substanzen, rechtliche Rahmenbedingungen und Verfügbarkeit sind in einem stetigen Wandel begriffen, welcher das Konsumverhalten massiv beeinflusst. Die Epidemiologie bemüht sich, diese Entwicklungen zeitnah zu erfassen und Therapeuten, Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aktuelle Informationen über Drogenkonsum und neue Trends zur Verfügung zu stellen.
In den letzten Jahrzehnten wurden auch in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union vorhandene Methoden immer weiter entwickelt und Studien zunehmend systematisch durchgeführt, um diese Trends mit vertretbarem Aufwand, aber dennoch valide und zeitnah zu erfassen. Dabei spielen regionale, nationale und internationale Umfragen eine zentrale Rolle. Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) führt seit 1993 solche Daten zusammen, unterstützt die methodische Weiterentwicklung der Erhebungsverfahren und analysiert dabei europäische Trends auch im Vergleich zu globalen Entwicklungen.
Die Verknüpfung und Analyse dieser Daten geht dabei – oft unausgesprochen – davon aus, dass solche Trends nicht nur ein lokales Phänomen darstellen, sondern über regionale und politische Grenzen hinweg stattfinden. Auf dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Heroinwelle, aber auch der Ausbreitung Neuer Psychoaktiver Substanzen (NPS) in neuerer Zeit wird zudem davon ausgegangen, dass Trends häufig sogar global sind. Dieser Annahme soll hier nachgegangen werden.
Nach einer kurzen Diskussion des Begriffs „Trend“  werden deutsche, europäische und globale Trends herangezogen und analysiert. An Hand prägnanter Beispiele wird diskutiert, welche Entwicklungen im Drogenkonsum internationales oder globales Niveau erreicht haben und was bis heute lokal begrenzte Phänomene geblieben sind. Einflussfaktoren für die Ausbreitung von Trends werden dabei erörtert und Konsequenzen der Ergebnisse für die epidemiologische Forschung, die Berichterstattung und die Nutzung von Trendinformationen für Politik und Versorgungsplanung diskutiert.