Internet- und Spielsucht: Aktuelle Perspektiven

Montag, 18.09.2017 | 11:30 Uhr - 12:15 Uhr

 

Dr. Daria J. Kuss

Senior Lecturer in Psychology
International Gaming Research Unit,
Nottingham Trent University

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Abstract

Seit dem Millennium ist die Popularität der Internet- und online Spielnutzung in Nutzern fast aller Altersgruppen graduierlich gestiegen. Die Internetnutzung ist zu einem nicht wegdenkbaren Bestandteil unseres alltäglichen Lebens geworden. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass die exzessive Nutzung von Internet und online Spielen zu Symptomen führen kann, die traditionell mit substanzgebundenen Süchten assoziiert werden. Diese beinhalten Stimmungsmodifikation, Salienz, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Konflikt und Rückfall. Basierend auf der aktuellen Forschungsgrundlage entschied die American Psychiatric Association (APA) in 2013, Internet Gaming Disorder in den Anhang des aktuellen diagnostischen Manuals, des DSM-5, aufzunehmen, als Kondition, die weiterer Forschung bedarf, um in das Hauptmanual aufgenommen werden zu können. Dies deutet darauf hin, dass Internet- und insbesondere die Spielsucht zusätzlicher Erforschung bedarf um zukünftig offiziell als psychische Störung angesehen werden zu können.
Da weiterhin eine nosologische und diagnostische Ambiguität hinsichtlich Internet- und Spielsucht besteht, werden in diesem Vortrag die aktuellen Perspektiven zum Thema der Internet- und Spielsucht aufgegriffen. Nur wenn der Massenanreiz der Internet- und Spielnutzung, der individuelle Nutzungskontext, die Neurobiologie der Nutzung und der gegenwärtig genutzte diagnostische Rahmen berücksichtigt werden, werden wir dazu in der Lage sein, dieses mögliche psychische Problem vollständig verstehen zu können. Der individuelle Nutzungskontext verleiht dem Nutzungserleben Bedeutung und Wichtigkeit, und kann dementsprechend exzessive von pathologischer Nutzung demarkieren. Der kulturelle Kontext bettet den Internet- und Spielnutzer ein in einer Gemeinschaft, die bestimmte Bräuche und Ansichten teilt. Von der neurobiologischen Perspektive zeigt wissenschaftliche Forschung, dass Internet- und Spielsucht Gemeinsamkeiten mit substanzgebundenen Süchten aufweist auf molekularer, neuronaler Vernetzungs-, und Verhaltensebene. Dies deutet an, dass Internet- und Spielsucht ähnlich wie substanzgebundene Süchte basierend auf einem Verständnis als psychische Erkrankung verstanden werden können, im Einklang mit dem Vorschlag der APA.
Es lässt sich zusammenfassen, dass die Internet- und Spielsucht von einer holistischen Perspektive betrachtet werden soll, welches sowohl ihren Kontext, als auch die Neurobiologie und Nosologie beinhaltet. Dies kann zu einem fundierten und umfassenden Verständnis der Bedeutung, des Kontexts und des Gebrauchs der Internet- und Spielnutzung führen.

Curriculum Vitae

Dr. Daria Kuss ist eine Psychologin, Wissenschaftlerin (Chartered Psychologist und Chartered Scientist), Hochschuldozentin und Programmleiter des MSc Cyberpsychology an der Nottingham Trent University in Großbritannien. Sie publiziert ihre wissenschaftliche Arbeit weitreichend, welches über 50 Publikationen in von Experten begutachteten Fachzeitschriften und Buchkapiteln, zwei verfasste Bücher, und über 40 internationale Konferenzpräsentationen, inklusive Keynotes und Plenarvorträge, beinhaltet. Ihre weitläufige Erfahrungen und Leistungen in dem Forschungsbereich der Internet- und Technologienutzung erlauben ihr, einen internationalen Ruf als Expertin in der Internetsucht innezuhaben. Sie ist eine Gasteditorin der Fachzeitschriften Addictive Behaviors, Journal of Addiction Research and Therapy, sowie ein Mitglied des Editorialteams von Psychopathology, Frontieres in Psychology und JMIR Serious Games. Außerdem ist Dr Kuss Mtiglied mehrerer internationaler und nationaler Organisationen, wie der European Psychiatric Association, Hellenic Association for the Study of Internet Addiction Disorder, the International Consortium of Mobile Phone Behavior, the International Communication Association, und the International Association of Applied Psychology. In 2015 und 2016 war sie unter den Top 10 der meistpublizierten Akademiker in Nottingahm Trent University, und hat den International Journal of Environmental Research and Public Health Best Paper Award 2015 für ihre Forschung zum Thema des online social networking gewonnen.