Grußwort der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

Liebe Veranstalter,
meine Damen und Herren,


der Deutsche Suchtkongress ist längst zu einer Institution geworden. Vom 18. bis 20. September dieses Jahres treffen sich in Lübeck renommierte Expertinnen und Experten aus Suchtforschung, -prävention und -therapie zum Lehren, Lernen und Diskutieren. Neben den Spitzenkräften der deutschen Forschung werden auch eine Reihe ausländischer Fachleute dabei sein. Die Drogen- und Suchtpolitik braucht eine qualitativ hochwertige Forschung, und sie braucht den Austausch darüber. Nur so haben wir eine Chance, die Herausforderungen, denen wir uns in unserem Arbeitsfeld heute und morgen gegenübersehen, zu meistern: Immer neue Substanzen, immer neue Vertriebswege, immer neue Möglichkeiten, Verhaltenssüchte zu entwickeln.

Wie viele von Ihnen wissen, habe ich 2016 das Thema Onlineabhängigkeit zu meinem Jahresschwerpunkt gemacht – weil es so wichtig ist, die mit den digitalen Angeboten verbundenen Abhängigkeitsrisiken stärker in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit zu richten. Was ist in diesem Feld zu tun? Was kann die Politik machen? Ich habe meine politische Agenda nicht allein entwickelt, sondern mich eingehend von Expertinnen und Experten beraten lassen - viele werden auch in Lübeck beim Suchtkongress dabei sein. Wie sollte es in einem so neuen Feld auch anders funktionieren? An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig Forschung für die Diagnostik und Behandlung ist und welche Chancen im Austausch liegen. Wenn wir verstehen, wie sich Abhängigkeiten von digitalen Angeboten entwickeln, können wir der Entstehung vorbeugen und Therapien wirksam gestalten. Aktuelle Erkenntnisse der pathologischen Nutzung von Internet und Onlinespielen werden auch bei diesem Kongress thematisiert.

Das Kongressprogramm sieht auch eine Lesung von Dominik Schottner vor. Herr Schottner erzählt in seinem Buch „Dunkelblau“ die Geschichte seines alkoholkranken Vaters und seiner eigenen Kindheit im Schatten der Sucht. Die Kinder aus dem Schatten holen, so lautete das Motto meiner Jahrestagung im Juni 2017. Über 3 Millionen Kinder leiden in Deutschland unter der Suchterkrankung ihrer Eltern. Ein instabiles Elternhaus, fehlende Verlässlichkeit, soziale Ausgrenzung und Scham prägen bei vielen von ihnen den Alltag. Kinder aus suchtbelasteten Familien haben ein hohes Risiko, selbst eine eigene Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung zu entwickeln. Mir ist wichtig, dass jedes Kind die Unterstützung erhält, die es braucht! Wir brauchen deshalb eine funktionierende Kooperation der Hilfesysteme vor Ort. Wichtig ist, dass überall, wo suchtkranke Menschen beraten und behandelt werden, auch die Kinder in den Blick genommen werden. Und auch die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. Mit einem gerade verabschiedeten interfraktionellen Antrag fordert der Deutsche Bundestag die Bundesregierung auf, das Hilfesystem zu evaluieren und Antworten auf Schnittstellenproblematiken zu entwickeln. Deutlich geworden ist bei meiner Jahrestagung aber auch, was wir über die Folgen der Sucht der Eltern für die Kinder alles noch nicht wissen. Umso mehr freue ich mich, dass das Thema „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ auch auf diesem Kongress seinen Platz gefunden hat.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses wünsche ich einen regen Austausch und viele neue Impulse für die eigene Arbeit.  

Ihre

Marlene Mortler, MdB
Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Bildquelle: Elaine Schmidt

Marlene Mortler, MdB
Drogenbeauftragte der Bundesregierung